
Was macht ein TrauRedner eigentlich?
- Veröffentlicht von Eike Rappmund
- Kategorien Blog, Ritus
- Datum 8. August 2025
Heute gehören freie Trauungen und andere freie, (nicht kirchliche) Zeremonien fest ins Bild unserer Gesellschaft. Ob ein Brautpaar auf dem Standesamt, im Kontext einer Glaubensgemeinschaft, oder eben im Rahmen einer freien Zeremonie sich das Ja-Wort geben will, steht jedem frei. Doch das war nicht immer so. Erst in den letzten drei Jahrzehnten haben freie Trauungen stark an Zuspruch gewonnen. Ein neues “Berufsbild” ist so entstanden. Dienstleister die dieses Bild prägen nennen sich selbst “Freie Redner”, “Trauredner”, “Hochzeitsredner” oder “zeremonielle Redner”, kommen ursprünglich aus den unterschiedlichsten Berufen und bieten ihre Dienste zu Preisen zwischen 450€ und 3.000€ an.
Doch wie konnte sich dieses Berufsbild entwickeln und wie kam es zu der Berufsbezeichnung? Was ist die eigentliche Aufgabe so eines “Redners” und was sind die Herausforderungen, Chancen und Grenzen seines Wirkens? Um das zu verstehen hilft es, sich die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten 50 Jahren anzuschauen.
Die ersten freien Zeremonien und wie es dazu kam
Besondere Lebensabschnitte zu begleiten, wie Hochzeit & Beerdigung, oder auch andere, wie zum Beispiel Geburt und Jubiläum, waren seit je her die Aufgabe von Glaubensgemeinschaften. Immer dann, wenn Menschen auf ihrem Lebensweg an einen Scheideweg gelangten, wandte man sich vertrauensvoll an spirituelle Führer, um mit deren Hilfe & Begleitung den ersten Schritt in diesen neuen Abschnitt zu setzen. Früher waren das der Schamane oder Medizinmann, der Pfarrer oder Priester, der Guru oder Rabbi. So entwickelten sich ganz besondere Feste und Zeremonien als Schwellenrituale, die eng in die gesellschaftliche Alltagswirklichkeit verwoben waren und als Meilenstein und konkrete Lebenshilfe die Einzelnen unterstützten.
Doch mit der Entwicklung vom einzelnen, weisen Mann hin zu spirituellen Institutionen, entstanden auch Regelwerke, die die Nutznießer klar definierten. Wo Mitglieder dieser Einrichtungen uneingeschränkten Zugang hatten, wurden nicht nur Nichtmitglieder von diesen Angeboten ausgeschlossen, sondern auch all jene, die sich nicht an die Spielregeln hielten: So wurden nicht Getaufte auch nicht beerdigt, Geschiedene nicht noch einmal verheiratet und auch geistlicher Beistand stand so nicht jedem zu.
Gesellschaftlicher Wandel
Über hunderte von Jahren hinweg war das auch kein Problem. Bürgertum und Zugehörigkeit zu einer der beiden Großkirchen gingen Hand in Hand. So waren bis in die 1960er Jahren noch rund 96.6% aller Bundesbürger auch Mitglied einer Religionsgemeinschaft. In den 1980er Jahren kam dann plötzlich Bewegung in die Zahlen. Auf einmal mussten die Kirchen einen Schwund von -10% verkraften und 1992 waren sogar nur noch 70.4% aller Bundesbürger Mitglied einer der beiden Großkirchen. Nach hunderten von Jahren begann sich langsam die enge Verbindung von Bürgertum & Kirche zu lösen. Ein Trend der bis heute anhält. So registriert die fowid* aktuell nur noch 45.9% aller Bürger in einer christlichen Religionsgemeinschaft. Anders gesagt: heutzutage interessiert über 40 Millionen Deutsche der Zugang zu christlich-rituellen Übergangsritualen nicht mehr*, zumindest dann nicht, wenn sie von den beiden Großkirchen angeboten werden.
In einem Satz: Die Abkehr von den Großkirchen, bei aber weiterhin bestehendem Bedürfnis der Menschen nach Schwellenritualen & begleiteten Lebensfesten, machten den Markt freier Zeremonien möglich.
Vom Ersatzredner zum Freien Redner
Entsprechend des gesellschaftlichen Wandels betraten ab Mitte des 20. Jh. die ersten, nicht konfessionsgebundenen Trauerredner diesen Markt. Ihnen ging es dabei um Humanität, wie Dr. Martin Diederich in seinem Buch: Reden als Ritualkunst betont. Ihnen ging es dabei um Respekt vor der Würde eines Menschen auf seinem letzten Weg, ganz gleich ob er einer Glaubensgemeinschaft angehörte oder nicht. Diesen kirchlichen Ersatzrednern von vor 60 Jahren ging es nicht um ein eigenes Berufsbild, sondern darum, allen wieder Zugang zu (spirituellen) Schwellenritualen zu ermöglichen, vor allem denen, die vom kirchlichen Regelwerk ausgeschlossen waren. So entstanden die ersten “freien Abschiedsfeiern” als Angebot für jedermann.
Wie es zur Berufsbezeichnung “Freier Redner” kam
Doch wie kamen diese “Freien Redner” zu ihrer Berufsbezeichnung? Auch das ist schnell erklärt. Man muss dafür nur noch ein Stückchen weiter, bis in die Zeit der Reformation, ins Jahr 1517 zurückgehen.
Die heutige Berufsbezeichnung “Freier Redner” fußt tatsächlich auf einer langen, kirchlichen Tradition. Dazu muss man wissen, dass christlich-spirituelle Rituale früher für den einfachen Bürger vollkommen unverständlich waren – es sei denn, man verstand Latein. Erst mit der Reformation und dem Bestreben der evangelischen Kirche, den Glauben und alle damit verbundenen Rituale durch eine verständlich gehaltene Rede zu gestalten, ermöglichte der Predigt ihre rhetorisch-rituelle Erfolgsgeschichte.
Mit dem einfachen Austausch des christlichen “Wordings” der Predigt durch weltliche Inhalte, entstand die “Freie Rede” und damit auch die Berufsbezeichnung “Freier Redner”. So sehr der Markt der “Freien Redner” sich also auch mühen mag, sich von kirchlichen Traditionen zu distanzieren, ihr Ursprung fußt auf alten kirchlichen Ambitionen, ob man das nun wahrhaben will, oder nicht.
Das inhaltliche Zentrum von freien Zeremonien
Über Jahrhunderte hinweg bestand die Aufgabe der Kirche unter anderem darin, die gesellschaftliche Ausdeutung von Leben & Tod, von Geburt, Liebe, Ehe, Jubiläum, oder Adoleszenz zu übernehmen – sie gab diesen Lebensabschnitten Bedeutung. Bis heute noch gesteht man der Kirche ihre herausragende ethische & moralische Funktion in der Gesellschaft zu und respektiert ihre Perspektive auf Leben, wenngleich man ihr auch nur noch selten folgt.
Entsprechend fügte man sich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts auch der Definitionshoheit der Kirchen, ganz gleich ob bei Beerdigung, Hochzeit, oder anderen Lebensfragen. Man akzeptierte im Kontext christlicher Rituale die religiöse Ausdeutung vom Leben vor, während und nach dem Tod. Der gesellschaftliche Wandel seit den 1980er Jahren machte aber auch vor der inhaltlichen Ausrichtung und Ausdeutung dieser bedeutenden Lebensphasen nicht Halt. Das zunehmende Bedürfnis nach Individualität begann nicht nur ganz langsam auch die Liturgien der Kirchen zu verändern, sondern wurde vor allem elementarer Mittelpunkt Freier Zeremonien.
Das Individuum selbst rückte ins Zentrum allen inhaltlichen Geschehens und dient heute als Orientierung für die Bedeutungsgebung von Lebensereignissen. Verglichen mit der über 1000jährigen Ritualgeschichte der Kirchen, sind diese wenigen Jahrzehnte die alles auf den Kopf stellten, nur ein Wimpernschlag. Wenngleich auch ein ganz Bedeutender.
Das Problem mit dem individuellen Deutungsanspruch
im Mittelpunkt von Lebensfeiern
Schaut man sich heute gängige rhetorische Konzepte zu Trauung oder Abschied an, so spiegeln diese weitgehend den oben beschriebenen Wandel. Die Abwendung von den Kirchen auf der einen und die Betonung der eigenen Individualität auf der anderen Seite, haben eine einfache Antwort der “Freien Redner” nicht nur auf die Frage der inhaltlichen Ausgestaltung ihrer Wortbeiträge, sondern auch auf die Ausgestaltung der Zeremonien an sich provoziert. So scheint es heute selbstverständlich, dass bei Trauung und Beerdigung oft die persönliche Geschichte des Einzelnen im Mittelpunkt zu stehen hat, eventuell noch deren individuelle Bedeutungsgebung von Liebe, Leben, Tod und Alltag.
Die Lebensgeschichte als Antwort auf alles
Die wilde Zeit der Selbstbefreiung seit den 1968er Jahren ist an einem Punkt angekommen, an dem das eigene Leben ausreichend wichtig und Antwort auf viele Lebensfrage selbst zu geben scheint. Die individuelle Lebensgeschichte tritt in den Vordergrund und bildet inhaltliche und rituelle Basis, um Hochzeit oder Abschied zu feiern.
Dort, wo es Lücken in der rituellen Ausgestaltung von Lebensfesten gibt, werden neue Symbole geschaffen, oder symbolische Handlungen erfunden. Derlei Kreativleistungen scheinen sich dabei ausschließlich am Gefallen der Auftraggeber, oder der Sinngebung des Dienstleisters zu orientieren.
So wird heute beispielsweise bei Trauungen der Einzug der Braut als Auftakt zur Party verstanden, man findet Magnet-Rituale oder BierBoys, rituelle Verbrennung von Glückwünschen, singende oder musizierende Redner und Ähnliches mehr. Das, was gefällt, was Individualität ob bei Brautpaar oder Trauredner auszudrücken vermag, scheint immer auch genau passend.
“Freie Trauung” zwischen Lebensfest & Party
Bei aller guter Entwicklung hin zu einem Mehr an Individualität scheint in Vergessenheit zu geraten, die Frage nach dem Sinn, nach Absicht und Möglichkeit ritueller Feste im Kontext des individuellen Lebensgeschehens des Einzelnen zu beantworten. Da wo professionelle Redner sich bei Abschiedsfesten wohlmöglich noch mit der Frage beschäftigen, in wieweit Ritualdesign und Wortbeiträge hilfreich, wohlmöglich tröstend oder als Quell von Dankbarkeit oder Hoffnung dienen können, scheint die gleiche Frage bei Trauungen, oder Taufen gar nicht mehr gestellt zu werden. Alle großen Fragen des Lebens scheinen mit der Nacherzählung der individuellen Lebensgeschichte ausreichend beantwortet werden zu können.
Der Wandel hin zur Individualität und weg von institutioneller Lebensdeutung scheint nicht nur Vorteile für die Entwicklung von freien Ritualen und Zeremonien zu haben, sondern wirft auch Fragen auf.
- Ist z.B. bei einer Trauung der ausschließliche Rückblick auf die persönliche Lebensgeschichte als inhaltliches Konzept wirklich ausreichend, um Antwort auf innere Realitäten & Lebensentwürfe zu geben, die von Hoffnung, Dankbarkeit, Unsicherheit, Angst, Trauer, o.ä. begleitet sind?
- Spiegeln kreativ gestaltete Rituale, wie der Einsatz von BeerBoys oder anderen profan inszenierten Symbolhandlungen, wirklich den Respekt vor dem Übergang in eine neue Lebensphase wieder?
- Wäre es nicht klug, bevor man dem Trend unkritisch dienstleistend folgt und sich gleichsam gegen Bewährtes stellt, erstmal Verständnis für Anlass, Absicht, Ritus, Handwerk usw. zu entwickeln und aus vergangenem Guten & Schlechten zu lernen, bevor man versucht, alles “Neu und Besser” machen zu wollen?
Der Sinn ritueller Zeremonien
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wagen wir einen Blick in die mythische Vergangenheit unserer Menschheitsgeschichte. Oft scheint vergessen zu werden: Rituale und rituelle Zeremonien wurden nicht erst seit der Gründung der ersten Glaubensgemeinschaften, Kirchen oder Ashrams gefeiert. Rituelle Zeremonien begleiten uns Menschen schon seit der Steinzeit. Wo unsere ersten Vorfahren schon versuchten Naturphänomene, Geburt, Tod und den eigenen Platz im Blick auf das große Ganze zu verstehen, entwickelten sich mit der Zeit komplexe Lebensphilosophien. Diese sprachlich zu vermitteln gelingt meist weniger gut, als sie direkt in mythischen Ritualen, Geschichten oder Symbolen erlebbar zu machen.
Man stelle sich die Wirkung eines Vortrags über die Angst vor Krankheit & Kälte vor, rhetorisch eloquent in einem Hörsaal gehalten. Da wirkt ein gewaltiges Fest zu feiern und es Fasching zu nennen doch deutlich mehr auf das Erleben des Einzelnen. Oder über die Gleichheit eines jeden Bürgers zu philosophieren? Da hebt man doch besser pünktlich am 11.11. um 11:11 Uhr die Krüge um mit der magischen Zahl “1” die Gleichheit aller unter der Narrenmaske direkt erfahrbar zu machen.
Was nun schon bei der “fünften Jahreszeit” funktioniert, wie viel mehr steckt dann wohlmöglich in Schwellenritualen, die sich um noch bedeutendere Lebensereignisse drehen? Wie zum Beispiel dem Erleben von Lebendigkeit und Fruchtbarkeit mitten in der Todeskälte des Winters in Form des im Kerzenlicht erstrahlenden Baumes zur Weihnachtszeit, oder dem Entzünden des einen Lichtes an der Taufkerze des Neugeborenen Kindes, oder …
Rituale dienen dem Menschen,
Leben in einem größeren Sinnzusammenhang zu verstehen.
Wo Sprache ihre Grenzen findet, Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu geben, treten bildgewaltige Mythen, Märchen, Symbole, oder direkt erfahrbare Rituale an ihre Stelle. Ob es das “Beschenkt werden” zu Weihnacht oder dem Geburtstag ist, dass ein Erleben des vom “Leben beschenkt Seins” zu evozieren versucht, oder wie bei Trauungen der Entwicklungsweg dieses großen Jas über Einzug, Trauversprechen und ersten Schritt in die neue Zukunft. Rituale helfen auf subtiler, direkt erfahrbarer und durch Sprache nicht eingeschränkter Art und Weise, die eigene Lebenssituation reflektieren und in einem größeren Sinnzusammenhang verstehen und vor allem erleben zu können.
Wo Rituale tausende von Jahren fest im gesellschaftlichen Leben verankert waren, übernahmen mit Gründung der christlichen Glaubensgemeinschaften die Kirchen die Deutungshoheit über lang bewährte Traditionen. Aus dem Austreiben der Wintergeister wurde das Fest zum Start der Fastenzeit (woraus sich auch der Name: Fasching ableitet), aus der Wintersonnenwende wurde Weihnachten und aus dem keltischen Samhain wurde Allerheiligen. 2000 Jahre später erleben wir nun eine ähnliche Entwicklung, nur das dieses Mal das Individuum selbst im Mittelpunkt steht. Über die wilden 1968 Jahre, den Streitparagraph § 218 bis hin zur “Ehe für alle” 2017 betrat der Einzelne mit dem Anspruch auf ein selbst gestaltetes Leben nun die Bühne.
Das aber hat nun weitreichende Folgen, vor allem für Lebensfeste wie Trauung, Beerdigung, oder Taufe. Plötzlich trifft der Wunsch nach Selbstverwirklichung, auf ursprüngliche, mythische Rituale, zu denen es keinen allgemein verständlichen Zugang mehr gibt. Eine völlig neue Bewegung, die vor noch wenigen hundert Jahren undenkbar gewesen wäre. Bis zur Emanzipation des Individuums war Selbstverwirklichung auf die Grenzen von Gesellschaft (Familie, Volk, Kultur), Tradition und Religion beschränkt, darüber hinaus aber weder erwünscht noch angestrebt. Nun hat sich das Bild gewendet. Das Individuum sieht sich selbst im Mittelpunkt und erwartet, dass der eigene Lebensentwurf nun umgekehrt Wiederhall im sozialen und gesellschaftlichen System zu finden hat. Nicht nur die Richtung der Lebensdeutung hat sich damit gedreht, auch über Jahrhunderte, fest in der Gesellschaft verwurzelte Rituale, stehen auf der Kippe: Entweder können sie in derart verständlich gemacht werden, dass sie im Kontext der eigenen Lebensdeutung sinngebend wirken, oder sie werden kurzerhand unter den neuen Vorzeichen umgedeutet und einfach passend gemacht.
Die Freie Trauung – Varianten im Kontext der Individualisierung
Schon bei der Definition von “Freier Trauung” fängt dieser Prozess an: Ist sie nun Auftaktveranstaltung zur Party, oder Zeremonie, will sie Schwellenritual sein, oder romantischer Event? Allein bei dieser Frage scheiden sich bereits die Geister. Das Dumme dabei, im Kontext der Individualisierung scheint jede Antwort richtig. Freie Trauung kann alles sein, je nachdem, welche “Be-Deutung” ihr von Brautpaaren, Traurednern, Fotografen, Dekoleuten, Weddingplannern, oder Musikanten gegeben wird. Man muss sich nur auf eine einigen, sonst wird so ein Event schnell chaotisch.
Freie Trauung als romantisches Event
Um eine Trauung als romantisches Event zu feiern, ist lediglich ein entsprechendes SetUp von Nöten, ein Redner, der die romantischen Aspekte der Verbindung betont und ggf. begleitende Dienstleister, wie Fotograf oder Musiker.
Dauer: Nach nicht mehr wie 20 Minuten ist sie dann meist auch schon wieder beendet.
Ritualdesign: Sicher, ein Minimum an ritueller Handlung ist auch hier noch von Nöten, so dass der Event noch als “Trauung” deklariert werden kann. So kommt man auch bei dieser Ausgestaltung nicht umhin, zumindest die Traufrage zu stellen, den Brautkuss einzufordern und ggf. die Ringe zu tauschen.
Trauung als Auftaktveranstaltung
Viele Freie Trauung werden heute als Auftaktveranstaltung zur anschließenden Hochzeits-Party gefeiert. Der Trauung wird ein wenig mehr an Bedeutung zugestanden, als bei einem romantischen Event zu Zweit, aber steht in der Rangliste der persönlich bedeutenden Momente doch weit hinter allem, was die Party zu bieten hat.
Dauer: In der Regel ist nach 30 Minuten Schluss.
Ritualdesign: Hier kommen unter Umständen eine ganze Menge an tradierten Symbolhandlungen, oder neu erfundenen zum Einsatz. Eines ist aber allen gleich: Sie sind der Party nachgeordnet und betonen die Trauung auch als selbige.
Beispiele: Der Einzug wird als Startschuss für die Party verstanden, die Orgahoheit über den FirstLook hat der Fotograf, die Gestaltung des SetUps ist nach optischem Empfinden der Dekorateure gestaltet, die Ansprache des Redners bezieht sich ausschließlich auf die Beziehungsgeschichte, vorzugsweise zur Unterhaltung der Gäste, genau so wie die rituelle Traufrage. Aus Blumenmädchen werden die besagten BeerBoys und nach dem Brautkuss wird der Redner aus dem Bild geschoben und dem Brautpaar die Bank unter dem Hintern weggezogen, damit die Party endlich starten kann.
Freie Trauung als Zeremonie
Bei der zeremoniellen Ausdeutung der Trauung ändert sich zur Ausdeutung als Auftaktveranstaltung lediglich die emotionale Interpretation. Man gibt nicht ganz so viel Gas, festliche Elemente dürfen überwiegen und statt ausgelassener Partylaune dürfen auch Tränchen der Rührung fließen.
Dauer: Eine Trauung als Zeremonie überschreitet die ungeschriebene 45 Minuten Grenze selten. Auch wenn mehr festliche Elemente in die Ausgestaltung integriert werden, hält sich der Trauredner in der Regel an dieses zeitliche Maß.
Ritualdesign: Alle rituellen Elemente, oder individuell kreierte finden hier ihren Platz. Im Fokus steht die emotionale Bedeutung der Beziehungsgeschichte, die Liebe und die romantische Perspektive der Entscheidung. Der Redner übernimmt die Aufgabe als Verstärker von Emotionen und die des Moderators, der durch die Trauung führt.
Beispiele: Der Einzug wird als “großer Einzug” mit Bridesmaids & Groomsmen beim Spiel eines Streicherquartetts inszeniert, die vier kleinen Nichten und Neffen laufen als Blumenkinder voran, das Paar sitzt den Gästen zugewandt, damit auch alle an den Emotionen des Paares teilhaben können. Der Trauredner fokussiert in seiner Rede auf festlich-emotionale Aspekte, wie die Bedeutung der Liebe, das Einmalige des Paares und ihrer gemeinsamen Geschichte, ihre herausragende Individualität und dergleichen mehr. Sicher, auch fröhliche Aspekte findet man je nach Rednermentalität. Manchmal auch sehr viele, vor allem dann, wenn sich der Dienstleister eher als Entertainer eines Publikums versteht,
Freie Trauung als Schwellenritual
Versteht man Freie Trauung als Ritual, rückt die Perspektive der individuellen Deutungshoheit ein Stück in den Hintergrund. Ein Raum öffnet sich, in dem die großen Fragen an Leben, Liebe, Beständigkeit, Lebendigkeit, Entwicklung, Partnerschaft und dergleichen mehr auf Gehör und Antwort warten. Einige Antworten wird der Lebensentwurf und die Lebensdeutung des Paares liefern, andere verweisen darüber hinaus. Spirituelle Aspekte können Bedeutung gewinnen.
Dauer: Eine Trauung als rituelles Geschehen zu feiern, wird selten unter 45 Minuten geschehen. Meist darf man mit einer Dauer bis zu einer Stunde rechnen.
Ritualdesign: Der Schwerpunkt in dieser Ausarbeitung liegt in dem durch symbolische Handlung, Wortbeitrag, und Musik kunstvoll konzertierten und subtil erlebbaren Ritus, der die Entwicklungsgeschichte der vielen kleinen “Jas”, hinzu dem einen großen, doppelten Ja im Trauversprechen abbilden.
Beispiel einer Freien Trauung als Schwellenritual
Wird eine Freie Trauung als Ritus designt, steht die Entscheidung des Brautpaares für eine gemeinsame Zukunft als Lebensereignis im Mittelpunkt allen Geschehens. Der Übergang von einer Lebensphase in eine Neue ist bei der Trauung zentrales Thema, das im rituellen Geschehen, sowie in allen Wortbeiträgen erlebbar werden will. Trauung will nicht Alibi für die Party wie bei der Auftaktveranstaltung sein, will auch nicht an der Oberfläche kratzen oder sich auf einige wenige, emotional aufgeladene Themen fokussieren, wie bei einem romantischen Event. Freie Trauung als Ritus will Erlebnis-Hilfe sein, will einen geschützten Erlebnisraum bieten, in dem sich das Brautpaar mit ihrem Lebensentwurf im Kontext des “größeren Ganzen” wiederfindet um bewusst die Schwelle in ihren neuen Lebensabschnitt zu übertreten.
Der Fokus wandert thematisch vom allgemeinen der “Liebe”, von der Überbetonung der Individualität, hin zum eigentlichen Anlass der Trauung: der “Entscheidung” des Brautpaares für ihre gemeinsame Zukunft. Jedes Symbol und jede rituelle Handlung bekommt ihren Raum, um die Entwicklung dieses neuen Lebensentwurfs bis hin zum richtungsweisenden “Ja, ich will!” erlebbar, bewusst und präsent zu machen. Damit dienen alle Elemente der Trauung nicht der Inszenierung, sondern der Vorbereitung des Paares, für ihre Entscheidung im Trauversprechen.
Ein paar Beispiele und deren Ausdeutung bei einer Trauung als Ritual
Die Trauung beginnt mit dem Umkleiden des Brautpaares. Aus Freund und Freundin werden Braut und Bräutigam.
FirstLook: Der erste Blick nach dem Umkleiden findet erst rituell zur Eröffnung der Trauung statt und dient als erste Erinnerung an die gemeinsame Geschichte, an den Zeitpunkt als einmal alles begann.
Einzug: Der Einzug der Braut, ganz gleich wie er gestaltet wird (großer Einzug, mit Vater, gemeinsam,…) will an den Weg des Brautpaares, durch ihre Geschichte der vielen kleinen Entscheidungen, hin zu der einen großen erinnern, die sie sich im Kontext der Trauung geben wollen.
Sitzplatz: Im hier und Jetzt, mit dem Gesicht in die Zukunft gerichtet und hinter sich die “bestätigende Energie” der Vergangenheit, sitzt das Brautpaar symbolisch vor ihrem ersten Schritt in die gemeinsame Zukunft.
Wortbeiträge: Alle Wortbeiträge, ob Trauansprache oder von Gästen beigesteuerte, dienen der Vorbereitung, oder dazu, das Brautpaar in ihre gemeinsame Zukunft als Ehepaar zu geleiten.
Dienstleister: Der Fotograf dokumentiert alle Augenblicke und inszeniert sie nicht wie bei einem Shooting. Der Musiker begleitet, verstärkt und unterstützt die emotionalen Erlebnisräume, und spielt kein Konzert, usw.
Das Selbstverständnis eines “Trauredners”
Brautpaare sind bei einer Hochzeit in der Regel die Personen, die am wenigsten Erfahrung mit einer Trauung haben. Die Vorstellung wie denn die Trauung gestaltet sein könnte, ist geprägt von Insta-Posts, Pinterest-Pins und einer meist aus Erfahrung genährten, klaren Vorstellung: “Wie nicht!”. Dem gegenüber stehen Trauredner, Weddingplanner, Musiker, Fotografen, oder Dekorateure die meist schon hunderte von Trauungen erlebt und gestaltet haben. Aber auch die Omas, Eltern und besten Freunde werden zu Kompetenzträgern, wenn es um die Frage nach dem “Wie?” einer Trauung geht.
Aus diesem bunten Mix an Meinungen, Wünschen, Erfahrungen und Ideen tritt (idealerweise) der Trauredner hervor. Er wird zur Orientierung bei der Ausgestaltung und dem Design der Trauung. Sein Verständnis, Knowhow, und sein Selbstverständnis diesem “Lebens-Event” gegenüber, prägen den gesamten Prozess und die spätere Durchführung.
“Ich erzähle Eure Geschichte”
> der Storyteller
Weit verbreitet ist das Selbstverständnis des Storytellers. Der Trauredner fokussiert auf die Liebesgeschichte des Brautpaares und stellt diese in den Mittelpunkt der Trauung und aller Wortbeiträge.
PRO: Dieses Selbstverständnis ist Antwort auf den oben beschriebenen Trend der Individualisierung. Das Bedürfnis des Brautpaares nicht unbedingt im Mittelpunkt ihrer eigenen Trauung zu stehen, aber das ihre Lebensgeschichte Bedeutungshoheit hat, wird zu 100% erfüllt. Der Redner wird zur rituellen Zahnfee und erfüllt die Wünsche des Paares. Rituelle Handlungen werden kreativ gestaltet und spiegeln die Geschichte & Individualität des Brautpaares wieder. Die Beziehungsvita wird zur Antwort auf diese eine Fragen, die der Trauredner gegen Ende dem Paar stellen wird.
CONTRA: Bewusstheit & Präsenz sind zwei Aspekte, die jedem Moment im Leben Erlebnistiefe geben. Wenn Bewusstheit über das “Traugeschehen” aber bei der eigenen Individualität & Geschichte endet, nicht darüber hinaus zeigt und auch nicht den eigentlichen Anlass der Trauung aufnimmt, verliert alles Geschehen an Tiefe & Bedeutung.
Konzeptionell wird in der Regel jeder professionelle “Public Speaker” bei Auftragserteilung immer nach Anlass, Zielgruppe & Thema fragen, bevor er sich an die Vorbereitung macht. Diese Fragen scheinen sich viele Trauredner nur noch im Ansatz zu stellen. Es scheint klar: Es muss die Beziehungsgeschichte nacherzählt werden, am Besten zur Unterhaltung der anwesenden Gäste. Das Abfeiern der Vita des Brautpaars wird zum Anlass, die Gäste zur Zielgruppe und romantische Episoden zum Thema.
Erlebnistiefe entsteht vor allem im Kontext zeremoniellen Geschehens & symbolsicher Wirkung. Sitzordnung, First Look, Einzug, Übergabe, Traubogen, Ausrichtung, Rhythmik & Dramaturgie, Trauversprechen, Ringtausch, Segenshandlungen, Räuchern, usw. wirken direkt auf das Erleben des Paares. Können rituelle Handlungen und Symbole aber nicht lebensnah und -praktisch aufgeschlüsselt und erklärt werden, sind sie bedeutungslos und werden zum befremdlichen Kasperltheater. Der Storyteller hat diese Ebene und Erlebnisdichte einer Trauung meist erst gar nicht im Blick und integriert gut gemeinte Symbolhandlungen flankierend als praktische Erklärungsmodelle seiner Ausführungen in die Inszenierung.
“Wir feiern ein Schwellenritual/Lebensfest”
> der zeremonielle Redner/Celebrant
Die Gruppe der “Zeremonienmeister”, oder Ritualdesigner (vgl. Dr. Martin Diederich) sind eine kleinere Gruppe im großen Pool der Freien Redner. Das Lebensereignis “Trauung” steht für diese im Mittelpunkt, die Entscheidung von zwei sich liebenden Menschen für einen ganz eigenen Entwurf von Leben.
PRO: Das rituelle Verständnis von Trauung rückt ebenso die Individualität des Paares in die Mitte, fokussiert aber auf das aktuelle Lebensereignis: “Entscheidung” und stellt beides in einen größeren Kontext von Leben und Lebensgestaltung. Der Redner tritt einen Schritt zur Seite und wechselt von der Aufgabe der Zahnfee hin zum zeremoniellen Begleiter in diesem Schwellenritual. Geschichte und Individualität des Paares dienen zur Ausdeutung der gewachsenen Entscheidung in allen Wortbeiträgen, die im Wechsel von individuellen und rituellen Texten dem Anlass Fundament geben. Auch die Beziehungsvita rückt ein Stück zur Seite und macht Raum für Gedanken & Impulse die dem Paar voraus eilen. Die Trauung als Ritual feiert nicht nur den Rückblick & Status Quo der Beziehungsgeschichte, sondern nimmt vor allem auch die großen Lebensfragen auf.
Konzeptionell steht die über Jahre hinweg gewachsene Entscheidung des Paares im Mittelpunkt des Lebensfestes. Alle symbolischen-, rituellen- und Wort-beiträge spiegeln diesen Anlass wieder und machen ihn erlebbar.
Die Adressaten aller Bemühungen sind zu erst das Brautpaar im Zentrum des Geschehens, eingebettet in das größere Ganze ihres Sozialsystems. Es gilt nicht, alle Anwesenden zu unterhalten, sondern gemeinsam ein Ritual zu einem Übergang im Leben von zwei Menschen zu feiern, das alle meint.
Erlebnistiefe entsteht, wenn alle Elemente einer Trauung sinngebend und konsistent aufeinander abgestimmt konzertiert werden und Bedeutung in der (Er-)Lebenswirklichkeit aller bekommen. Diederich nennt diesen Prozess “Ritualdesign”.
Es gilt nicht, pauschal alles Bewährte und Tradierte zu eliminieren, nur weil nun plötzlich seit ein paar Jahrzehnten sich die Individualität in den Vordergrund gekämpft hat, es gilt vielmehr die individuellen Lebensentwürfe von Brautpaaren gekonnt in ein größeres, rituelles Ganzes zu integrieren, dass auf vielen Ebenen den Anlass der Trauung erlebbar macht.
Mein Fazit
Ja, die Emanzipation des Individuums und die Befreiung aus zu eng gewordenen gesellschaftlichen, institutionellen oder spirituellen Gedankengebäuden ist ein wichtiger Entwicklungsschritt. Aber wie in vielen Prozessen typisch, reißt die nun heranwachsende Generation mit dem Arsch ein, was im Falle von Lebensritualen Menschen über Jahrtausende mit Sinn und Verstand aufgebaut haben.
Das ist, was mir im Markt der “Freien Zeremonie-Redner” vor allem fehlt:
6 zu diskutierende Thesen für besser Traurituale & Professionalisierung
- Zu allererst fehlt mir der Respekt der redenden Dienstleister gegenüber dem Handwerk der Rhetorik & freien Rede selbst. Die wenigsten Redner*Innen die ich kennengelernt habe, haben sich jemals ernsthaft mit Bühnenpräsenz, Tonalität, Körpersprache, oder Rhetorik auseinander gesetzt. Nur weil man glaubt, hinter einem barocken Notenständer, überbetont romantische Auszüge aus der Lebensvita eines Paares vorlesen zu können, ist man noch lange kein Redner, schon gar nicht ein zeremonieller. In jedem anderen Handwerk würde der Markt diese Ignoranz korrigieren, im Kontext einmalig stattfindender Lebensfeste scheint man das aber gerne schnell zu verzeihen.
- Mir fehlt das grundlegende Verständnis vieler Redner*Innen gegenüber ritueller Logik, Absicht, Bedeutung, Funktions- und Wirkweise von Symbolik und ritueller Handlung. Auch wenn es weitgehend die Kirchen waren, die dieses Wissen bewahrt haben, rechtfertigt es nicht, aufgrund der eigenen Ablehnung gegen Glaubensgemeinschaften, sich so gar keinen Gedanken mehr um Geschichte und Sinn von rituellen Elementen in Zeremonien zu machen. Keine Trauung wird ohne ein Minimum ritueller Elemente auskommen. Allein der eigene Anspruch an Professionalität sollte eine ernsthafte Auseinandersetzung gebieten.
- “Was Brautpaar & Gäste wollen ist ein authentischer Redner” – so habe ich es von einem Ausbilder neulich gehört. Dem stimme ich zu. Wenn aus der Betonung der Authentizität (was ich bei jeder Art von Redner voraussetzen würde) aber Überbetonung der eigenen Individualität vor allem bei zeremoniellen Festen wird und ein “Zeremonie-Leiter” plötzlich zum Entertainer mutiert, ist die Aufgabe grundsätzlich falsch verstanden.
- Jeder kann einer Trauung genau den inhaltlichen & emotionalen Anstrich geben, wie er mag. Sie kann zum Opening werden, zur Party am Ballermann, zur Entertaining Veranstaltung, oder was auch immer. Wahlmöglichkeit finde ich grundsätzlich etwas Gutes. Es wäre aber hilfreich, wenn unter Professionellen ein Konsens über so ein Set an “Kategorien” geschaffen und kommuniziert würde, so dass nicht nur Brautpaare gleich von Anfang an die richtige Wahl des passenden Redners treffen könnten, sondern dadurch zum Einen Klarheit im Markt entstünde und zum Anderen innerhalb dieser Spezialisierung Entwicklung statt Abgrenzung stattfänden.
- Jeder einzelne Dienstleister prägt mit jeder einzelnen Trauung die er leitet, nicht nur den Markt sondern auch die Erwartungshaltung & das Verständnis potentieller Kunden. Auch wenn man persönlich all den “wunden Punkte” des noch jungen Marktes keine Bedeutung gibt und die eigene Ausdeutung von derlei Lebensfesten zum Status Quo erhebt, sollte zumindest die Mitverantwortung über die Entwicklung dieses Marktes jedem bewusst sein.
- Austausch der Gewerke untereinander, findet man bei zeremoniellen Festen eher selten bis gar nicht. Was ein gut ausgebildeter Redner an Expertise mitbringt, interessiert z.B. den Weddingplanner meist gar nicht. Dieser grätscht dann oftmals in gut gemeinter Absicht, weit in die Profession des Anderen und stiftet Verwirrung bei den Brautpaaren. Auch Fotografen, oder Dekorateure machen das gerne. Eine Plattform für den gemeinsamen Austausch und das Ringen um gegenseitiges Verständnis könnte das beheben und Brautpaaren und der Trauung als Schwellenritual selbst, wieder ein stabiles Fundament geben.
Schlusswort
Sicher, es müsste noch über vieles gesprochen werden, vieles diskutiert, debattiert und gemeinsam bedacht und wieder zurückerobert werden, was seit ein paar Jahrzehnten droht verloren zu gehen. Und auch all meine Worte sind – selbstverständlich – auch nur (m)eine Meinung. “Freier Redner” sein, ist kein Beruf mit Standards, mit Qualitätskriterien, oder einer nötigen Ausbildung. Auch ein völlig sinnloses IHK Zertifikat ändert diese Tatsache nicht. So lange kein richtungsweisender Konsens in diesem Markt entsteht, wird “Trauung” als Lebensfest, ganz gleich wie sie ausgestaltet wird, weiter verwässern und Stück um Stück drohen, belanglos zu werden.
Ja, ich stehe dafür, das im Kontext von Hochzeit, Trauung als bedeutsames Schwellenritual gefeiert werden kann, das Tiefe, Richtung, Aussage und Unterstützung für Brautpaare ist, sich einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens zu stellen. Das steht der Vielfalt im Markt (Trauung auch ganz anders zu verstehen) nicht entgegen, sondern grenzt lediglich einen Teilbereich ab. Sich in Offenheit und Mut ganz besonderen Aspekten des eigenen Lebens zu stellen, ist ein besonderes Geschenk. Geschützte Räume dafür zu schaffen, muss – in meiner Welt – Aufgabe von zeremoniellen Rednern sein, die Brautpaaren dabei helfen wollen, diese Erlebnisräume für sich zu nutzen.
Würde ich noch weiter darüber hinaus denken, dann wünsche ich mir “RitualDesigner” in einem klar abgegrenzten Tätigkeitsfeld (Berufsbild), die fähig sind, ganz gleich welches Lebensfest rituell auszugestalten und damit einen “Anker” werfen, in den oberflächlich und schnell dahintreibenden Alltag. Tiefe, bedeutungsvolle und ggf. sogar lebensverändernde Räume könnten so geschaffen werden und zumindest ansatzweise die Lücke geschlossen werden, die aus dem Abschied aus den Großkirchen resultiert. Sicher, dafür wäre noch sehr viel an interdisziplinärer Arbeit von Nöten. Eine Arbeit die sich aber mehr als lohnen würde.
Quellen
Eike ist studierter Dipl. Pädagoge, ausgebildeter Therapeut & Coach und bildet seit über 20 Jahren aus. Eigentlich wollte er mal Pfarrer werden, hat sich dann aber für das Psychologische entschieden – fand er spiritueller. Als Freier Liturg/Trauredner und für ein paar Jahre auch als Prädikant auf der Kanzel der badischen Landeskirche, begleitet er nun schon seit vielen Jahren Paare bei einem ihrer wichtigsten Schritte in ihrer Beziehung: ihrer Trauung.
Als Exilschwabe wirkte er ursprünglich vom Bodensee bis nach Nordhessen, bis er sich 2010 dazu entschied, sich der Liebe wegen ausschließlich auf Mallorca zu konzentrieren. Heute bietet er seine langjährige Erfahrung aus unzähligen Trauungen seinen Kollegen:Innen in Fortbildung, Workshops und Ausbildungen zum Freien Redner/Freien Trauredner an.
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